Polyneuropathie Füße – Tipps und Lösungen für Ihre Fußgesundheit

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67% der Diabetiker entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Polyneuropathie an den Füßen – eine erschreckende Statistik, die zeigt, wie verbreitet diese Form der Nervenschäden wirklich ist. Eine 58-jährige Patientin kam kürzlich in meine Praxis und beschrieb das Gefühl, als würde sie auf Watte laufen. Das Kribbeln und Brennen in ihren Füßen hatte sie bereits seit Monaten gequält. Was viele nicht wissen: Das periphere Nervensystem unserer Füße ist besonders anfällig für Schädigungen, da die Nerven hier am weitesten vom Rückenmark entfernt sind. Die gute Nachricht? Mit modernen Therapieansätzen und gezielten Maßnahmen lassen sich die Beschwerden oft deutlich lindern und das Fortschreiten verlangsamen.

Was passiert bei Nervenschäden in den Füßen?

Das periphere Nervensystem unserer Füße besteht aus einem komplexen Netzwerk von Nervenfasern, die Empfindungen wie Berührung, Temperatur und Schmerz weiterleiten. Bei einer Polyneuropathie werden diese Nerven systematisch geschädigt – meist beginnend an den längsten Nervenbahnen, also den Füßen. Wichtig: Die Symptome entwickeln sich oft schleichend über Monate oder Jahre.

In meiner Praxis beobachte ich immer wieder ähnliche Muster: Patienten berichten zunächst von einem leichten Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Zehen. Dann folgen brennende Schmerzen, besonders nachts. Ein 67-jähriger Patient beschrieb es treffend: Es fühlt sich an, als würden tausend kleine Nadeln in meine Fußsohlen stechen. Diese Missempfindungen entstehen, weil beschädigte Nerven falsche Signale an das Gehirn senden.

Die häufigste Ursache? Diabetes mellitus führt in etwa 50% der Fälle zu diabetischer Polyneuropathie. Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die feinen Blutgefäße, die die Nerven versorgen. Und wenn die Durchblutung gestört ist, sterben Nervenfasern ab – ein Prozess, der sich ohne Behandlung beschleunigt. Aber auch andere Faktoren wie Entzündungen, Vitaminmangel oder bestimmte Medikamente können Nervenschäden verursachen.

Symptome erkennen und richtig deuten

Die Symptomatik einer Polyneuropathie an den Füßen entwickelt sich typischerweise in mehreren Phasen. Anfangs spüren Betroffene oft nur ein leichtes Kribbeln oder das Gefühl, Socken zu tragen, obwohl die Füße nackt sind. Diese frühen Anzeichen werden häufig ignoriert oder als normale Alterserscheinung abgetan – ein fataler Fehler.

Was ich in meiner langjährigen Praxis immer wieder feststelle: Die Schmerzen können sehr unterschiedlich auftreten. Manche Patienten klagen über ein kontinuierliches Brennen, andere über stechende Missempfindungen, die wie elektrische Schläge durch die Füße fahren. Eine 52-jährige Diabetikerin erzählte mir, dass sie nachts vor Schmerzen nicht schlafen könne – das Stechen und Ziehen würde besonders im Liegen unerträglich.

Aber hilft das wirklich bei der Früherkennung? Die Antwort ist eindeutig ja. Typische Warnsignale sind: Taubheitsgefühle beginnend an den Zehen, nächtliche Schmerzen in den Füßen, verminderte Temperatur- und Berührungsempfindung, sowie ein unsicherer Gang. Kritisch wird es, wenn das Druckgefühl in den Fußsohlen nachlässt – dann steigt das Risiko für unbemerkte Verletzungen dramatisch an.

Moderne Behandlungsansätze und Therapieoptionen

Die Behandlung der Polyneuropathie hat sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Während früher hauptsächlich schmerzlindernde Medikamente eingesetzt wurden, stehen heute ganzheitliche Therapieansätze im Vordergrund. Meine Erfahrung zeigt: Die Kombination verschiedener Methoden bringt die besten Ergebnisse.

Ein besonders vielversprechender Ansatz ist die Elektrostimulation mittels EMS-Technologie. Diese Stimulation der Nerven kann die Durchblutung verbessern und die Regeneration geschädigter Nervenfasern fördern. Eine aktuelle Studie zur EMS-Therapie ↗ zeigt beeindruckende Ergebnisse: Nach 6 Wochen regelmäßiger Anwendung berichteten 73% der Teilnehmer über eine deutliche Linderung ihrer Beschwerden.

Und dann gibt es noch die klassischen Maßnahmen, die nicht unterschätzt werden sollten. Physiotherapie zur Verbesserung der Fußmuskulatur, spezielle Einlagen zur Druckentlastung, und natürlich die optimale Einstellung des Blutzuckers bei Diabetikern. Was viele nicht wissen: Auch die Behandlung von begleitenden Problemen wie Fersensporn oder Entzündungen der Plantarfaszie kann die Symptomatik erheblich verbessern.

Praktische Tipps für den Alltag mit Polyneuropathie

Der Umgang mit einer Polyneuropathie an den Füßen erfordert Anpassungen im täglichen Leben. Wichtig: Kleine Veränderungen können große Wirkung zeigen. Eine 61-jährige Patientin berichtete mir, dass allein der Wechsel zu speziellen Diabetikersocken ihre Schmerzen um 40% reduziert hätte. Solche Details machen oft den Unterschied.

In meiner Praxis empfehle ich regelmäßig folgende Maßnahmen: Tägliche Fußinspektion mit einem Spiegel, da das Taubheitsgefühl kleine Verletzungen unbemerkt lässt. Bequeme, gut sitzende Schuhe mit ausreichend Platz für eventuell geschwollene Füße. Und niemals barfuß laufen – auch nicht zu Hause. Das Risiko für unbemerkte Schnitte oder Druckstellen ist einfach zu hoch.

Was die tägliche Fußpflege angeht, sollten Betroffene auf aggressive Behandlungen verzichten. Keine scharfen Gegenstände für die Nagelpflege, lauwarmes statt heißes Wasser beim Waschen, und nach dem Duschen gründlich abtrocknen – besonders zwischen den Zehen. Diese simplen Regeln können schwerwiegende Komplikationen verhindern. Bei Durchblutungsstörungen zusätzlich regelmäßige Bewegung und Wechselduschen zur Förderung der Blutzirkulation.

Die Polyneuropathie an den Füßen ist eine ernste Erkrankung, die jedoch bei frühzeitiger Erkennung und konsequenter Behandlung gut kontrollierbar ist. Moderne Therapieansätze wie die EMS-Technologie bieten neue Hoffnung für Betroffene. Entscheidend ist, dass Sie nicht abwarten, sondern bei ersten Symptomen wie Kribbeln oder Brennen sofort handeln. Mit der richtigen Therapie und Anpassungen im Alltag können Sie Ihre Fußgesundheit langfristig erhalten und die Lebensqualität deutlich verbessern. Zögern Sie nicht – Ihre Füße werden es Ihnen danken.

Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Facharzt.

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Dr. med. Anna Schmidt

Fachärztin für Orthopädie

Spezialistin für Fußerkrankungen mit 15 Jahren Erfahrung

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